Das Aus im Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 hat in Moskau ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.
Sichtbar enttäuscht waren die 50.000 Enhusiasten, die auf dem Wassiljewski-Platz am Kreml auf einer Großleinwand die Entscheidung in Singapur verfolgten. Ihr Oberbürgermeister, Juri Luschkow, der die russische Delegation anführte, bedauerte ebenfalls das Scheitern der Moskauer Bewerbung und versprach seinen Moskauern einen neuen Anlauf für die Spiele von 2016. Dabei weiß der erklärte Sportfan, dass dies höchstens ein verbaler Trost ist, denn die Spiele der zwei nachfolgenden Olympiaden dürften außerhalb Europas stattfinden – so dass dann vielleicht Novosibirsk eine Chance hätte. Seine eigene Erklärung der Niederlage hatte der Ehrenpräsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands, Witali Smirnow, ehemaliger Vizie-Minister für Körperkultur und Sport der UdSSR. In gewohnter Funktionärsmanier verkündete er: „Die Mitglieder des IOC haben sich dem Zusammenwirken der westlichen Presse ergeben.“
Dabei waren die Gründe für das Scheitern der russischen Bewerbung hausgemacht. Hatte Moskau bei der Vorauswahl der Kandidaten im vergangenen Jahr noch im letzten Moment dank der größeren Fürsprache maßgeblicher IOC-Mitglieder Leipzig aus der Finalrunde gedrängt, fanden sich gestern in der ersten Abstimmung nur 15 Angehörige des Sportolymps, die der russischen Metropole nach den boykottgeschwächten Spielen von 1980 eine zweite Chance geben wollten. Aber das Projekt der „Spiele am Wasser“, demzufolge die Wettkämpfe an Sportstätten entlang der Moskwa ausgetragen werden sollten, war den meisten Stimmberechtigten im Vergleich mit den anderen Kandidaten nicht genug ausgereift. Bereits die Prüfkommission hatte beim Durchsehen der endgültigen Bewerbungsunterlagen Anfang des Jahres bemängelt, dass sie nicht in allen Punkten ausführlich genug seien. Fragezeichen standen vor allem hinter den fehlenden Beherbergungsmöglichkeiten in Mittelklassehotels und der Gewährleistung der Sicherheit für Aktive und Gäste.
Der Chef des Moskauer Bewerbungskomitees, Valeri Schanzew, versicherte damals, sich an die IOC-Vorgaben gehalten zu haben und wollte das vollständige Konzept erst auf der IOC-Tagung präsentieren. Damit waren die Russen gegenüber den Konkurrenten bereits ins Hintertreffen geraten. Daran änderte auch der persönliche Einsatz von Präsident Putin nichts mehr, der per Video vor der IOC-Versammlung in Singapur noch einmal für Moskau warb.
Sicher hat IOC-Präsident Jaques Rogge Recht, wenn er allen fünf Kandidaten bescheinigte, hervorragende Gastgeber für Olympische Spiele sein zu können. Für Moskau hat es diesmal nicht gereicht. Aber die geplanten 2,5 Mrd. US-Dollar finden sicher eine andere sinnvolle Verwendung. [ Hartmut Hübner / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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